Interview zu meiner Kandidatur

Matthias Kenzler

vom 07.07.2021

Herr Kenzler, die Einstiegsfrage ist vielleicht nicht besonders charmant, aber Sie wollen mit 60 Jahren noch Gemeindebürgermeister werden? Da denken andere schon langsam an den Ruhestand.

Ja, das möchte ich unbedingt. Und damit ist auch klar: Ich würde, wenn die Isernhagener es wollen, maximal für zwei Wahlperioden im Amt bleiben. So sollte das meiner Meinung nach auch auf Bundesebene sein. Man darf nicht an Ämtern kleben.

Mit dem bisherigen Bürgermeister Arpad Bogya sind Sie als FDP-Fraktionsvorsitzender in den vergangenen Jahren immer mal wieder aneinander geraten. Sind Sie ein streitbarer Mensch?
Ich bin auf jeden Fall jemand, der nicht die Augen vor Problemen verschließt und niemand, der den Konflikt scheut. Da kommt vielleicht nicht jeder mit klar. Bei mir muss man wissen: es geht mir um die Sache und um unsere Gemeinde, nicht um Befindlichkeiten.

Sie hatten ursprünglich vor, für die FDP als Bürgermeisterkandidat anzutreten, unterlagen parteiintern aber Christian Possienke. Nun die unabhängige Kandidatur, wie kommt es dazu?

Christian Possienke ist für die FDP ganz klar eine starke Besetzung, aber gewisse Vorgänge bei der internen Abstimmung haben nicht nur mir missfallen. Ich war drauf und dran mein politisches Engagement nach Ablauf dieser Legislatur beenden, aber viele Menschen von ganz unterschiedlichen Seiten sind auf mich zugegangen und hätten das bedauert. Nach längerem Abwägen habe ich mich zu einer unabhängigen Kandidatur entschieden und bin daher jetzt aus der FDP ausgetreten. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass es auf rein kommunaler Ebene kein Parteibuch braucht. Ich möchte mich für die Gemeinde einsetzen. Als Bürgermeister sehe ich mich als Vermittler zwischen Verwaltung und dem gesamten Gemeinderat zum Nutzen der Bürger. Da sollte man keine einseitige Parteipolitik betreiben.

Man hört es deutlich heraus: Herr Bogya ist für Sie kein Vorbild als Rathauschef. Wie wäre denn ein Bürgermeister Matthias Kenzler so?

Ich habe Erfahrung in Personalführung und in der Motivierung von Mitarbeitern. Wichtig ist, dass die Gemeindeverwaltung wieder bürgernäher wird. Die Isernhagener zahlen Steuern, da dürfen sie auch erwarten, dass die Verwaltung sich für sie einsetzt. Die Bürger müssen wieder mehr in Entscheidungen eingebunden werden. Das mag man als Transparenz beschreiben. Das gilt auch für die ehrenamtlichen Politiker: Es braucht nicht nur Ja/Nein-Vorlagen im Rat, sondern insbesondere mit Blick auf die Kosten Alternativen, über die man auch diskutieren darf. Das Durchregieren, wie lange Zeit mit einer Mehrheit im Rücken von Herrn Bogya, sollte es nicht mehr geben. Und aufgrund der hohen Krankheitsstände und der hohen Fluktuation in den Ämtern sollte man auch die gelebten Hierarchien und das Betriebsklima im Rathaus mal etwas genauer in den Blick nehmen.

Bürgernähe – das klingt immer gut. Können Sie Beispiele dafür nennen?

Ein Beispiel ist natürlich das Bürgerbüro. Das muss, neben der Online-Terminvergabe, auch wieder ohne Termin besucht werden dürfen. Dafür hatte ich mich schon im Rat eingesetzt, aber der Bürgermeister hat es anders durchgesetzt und nicht erkannt, dass er sich verrannt hat. Die Ortsräte sollten gestärkt werden, denn sie sind am nächsten an den Menschen dran und werden oft nicht ernst genommen. Bürgernah ist es für mich aber auch, für alle Isernhagener eine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe und eine gute Anbindung an den Nahverkehr zu schaffen. Mitfahrerbänke wären eine gute Sache, eine kleine Markthalle als echten Treffpunkt und mit regionalen Anbietern würde mir beispielsweise als Vision für K.B. vorschweben.

Für welche Themen stehen Sie sonst noch ein?

Das Rathaus muss mehr mit der Zeit gehen. Es darf nicht sein, dass wir immer mehr Personal brauchen. Hier ließe sich durch Umstrukturierungen der Personaleinsatz optimieren. Und wir sollten schauen, welche Aufgaben wir an Dritte vergeben können – im Rathaus müssen nicht die Experten für alles sitzen. Das käme auch unserer Wirtschaft vor Ort zugute. Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarkommunen sollte ausgebaut werden, um Synergien zu nutzen. Isernhagen muss aber auch mal Vorreiter sein und nicht immer erst dann reagieren, wenn andere Kommunen es vorgemacht haben – sei es bei Corona-Impfzentren oder Ganztagsschulen. Im Kita-Bereich braucht es flexiblere Betreuungszeiten, auch für Eltern im Schichtdienst. Wir müssen zudem bezahlbaren Wohnraum schaffen und Wohngebiete mit Augenmaß entwickeln. Wünschenswert wären auch Projekte für Mehrgenerationshäuser.

Wie passen die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum und der Protest in den Altdörfern gegen verdichtete Bebauung zueinander?

Das ist tatsächlich schwierig. Ich finde es wichtig, dass die Isernhagener Altdörfer ihr Gesicht und ihren Charakter behalten. Die Gestaltungssatzung war ein guter Anfang, da lässt sich jedoch nachbessern. Bezahlbarer Wohnraum ist in den Altdörfern sehr viel schwerer umzusetzen als in Kirchhorst und Altwarmbüchen. Doch auch die alten, oft sehr großen Grundstücke in den Bauerschaften lassen sich mitunter teilen, um etwas mehr Wohnraum zu schaffen.

Gibt es Ihrer Meinung nach noch die Kluft zwischen den Alt- und Neudörfern?

Absolut. Ich würde behaupten, die Gemeinde Isernhagen gibt es fast nur auf dem Papier. Die Sanierung des Zentrums von Isernhagen in Altwarmbüchen schafft da keine Verbindung. Das müsste ein neuer Bürgermeister verstärkt angehen. Kirchturmdenken darf es nicht geben.

Ihre vier Gegenkandidaten sind schon seit Monaten im Wahlkampf. Wie wollen Sie das aufholen?

Das ist die größte Herausforderung für mich. Ich habe zwar viele, die mich unterstützen, aber eben keine Parteisoldaten hinter mir. Ich arbeite daran, um mich bei den rund 26.000 Isernhagenern in den nächsten Wochen noch bekannter zu machen. Gespräche, Social Media, Flyer – all das ist jetzt geplant. Und ich habe da wirklich viel Lust drauf.

Zum Abschluss: Zu Bürgermeister Arpad Bogya haben Sie sich klar abgegrenzt. Aber was unterscheidet Sie von ihren Konkurrenten? Wo sehen Sie Ihre Chance?

Für mich ist der Bürgermeisterposten kein Karrieresprungbrett. Ich bringe viel Lebenserfahrung ein, habe beruflich alles erreicht und möchte nun etwas zurückgeben. Ich bin der einzige Kandidat ohne Parteibuch, wohnhaft in den Altdörfern – die Bürger können sich also darauf verlassen, dass ich keinen parteipolitischen Vorgaben folge, sondern mich allein für die Gemeinde einsetze. Das hebt mich von den anderen ab. Es ist höchste Zeit für frischen Wind im Rathaus. Dafür braucht es keinen reinen Verwaltungsmenschen, sondern jemanden von außen, der aber keine Probleme hat, sich auch in komplexere Bereiche einzuarbeiten. All das bringe ich mit. Ich bin aber auch garantiert kein Mitläufer, sondern kann mich da, wo es sein muss, durchsetzen.

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